Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

  • die andere Person anschauen,
  • so lange zuhören, bis die Person ausgeredet hat,
  • durch Kopfnicken, ein „ja“ oder „hm“ Aufmerksamkeit zeigen,
  • das Gehörte zusammenzufassen hilft, voreilige Gegenreaktionen auszubremsen,
  • bei Unklarheiten nachzufragen hilft, den anderen richtig zu verstehen.

Anderen Personen einfach zuzuhören hilft, Beachtung und Wertschätzung für ihr Anliegen zu zeigen.

Beispiel - Das Gießkannen-Prinzip

Wenn wir Pflanzen gießen, gehen wir so lange von einer Pflanze zur nächsten, bis die Kanne leer ist. Wenn wir einer anderen Person etwas erzählen, möchten wir so lange sprechen, bis alles Wichtige gesagt ist. Als Zuhörer ist es dann hilfreich, sich den Sprecher als eine Gießkanne vorzustellen und solange zuzuhören, bis die „Kanne geleert“ ist.

Frau B. schien aufgebracht und beschwerte sich bitterlich über das Verhalten ihres Kollegen. Der Vorgesetzte schaute Frau B. dabei ruhig an. Schon zu Beginn des Gespräches hätte er gleich etwas einwenden können, bremste sich aber.

Dann stellte er sich Frau B. als Gießkanne vor, die ihr Wasser entleert. Frau B. sprach schnell und erging sich in Vorwürfen. Also war die Gießkanne gut gefüllt. Wie konnte er Frau B. dabei unterstützen, die „Kanne zu leeren“ und sich nicht voreilig einzumischen?

Durch ein „Hm“ und Kopfnicken signalisierte er ihr, dass er aufmerksam zuhörte und mit ihr mitging. Frau B. sprach weiter. Die Kanne leerte sich.

Durch ein „ja“ und „aha“ ermutigte er Frau B., weiterzusprechen. Die Kanne leerte sich weiter.

Dann kam Frau B. ins Stocken. Sie überlegte, erschien etwas blockiert. Durch Wiederholen des letzten Satzes half er ihr, den Faden wieder aufzunehmen. Die Kanne leerte sich weiter, bis nur noch ein Rinnsal zu erkennen war. Es entstand eine Pause, die trotz weiterer Ermunterung fortzufahren anhielt. Frau B. schaute ihn an. Die Kanne war leer.

Er fasste das Wesentliche zusammen, um zu zeigen, dass er zugehört hatte und sich in seinem Bestreben, schnell zu antworten, auszubremsen.

Eine Unklarheit hatte er sich gemerkt und klärte diese nach „Entleerung der Kanne“.

Frau B. fühlte sich in ihrem Anliegen beachtet und verstanden. Das weitere Gespräch konnte nun entsprechend ruhig und in gegenseitiger Wertschätzung verlaufen.

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

Literatur

Hoyer, J. & Wittchen, H. U. (2011). Gesprächsführung in der Klinischen Psychologie und Psychotherapie. In Wittchen, H. U. & Hoyer, J. (Hrsg.). Klinische Psychologie und Psychotherapie. Berlin: Springer Verlag.

Speierer, G. W. (2011). Unkonditionales Akzeptieren. In Linden, M. & Hautzinger, M. (Hrsg.). Verhaltenstherapiemanual. Berlin: Springer Verlag.