Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

Frühwarnzeichen abnehmender Konzentration sind alltägliche Ermüdungserscheinungen als Folge geistiger Anspannung. Mit etwas Übung können die Frühwarnzeichen im Alltag beobachtet und benannt werden.

FWZ Nr.1 und FWZ Nr.2 abnehmender Konzentration sind zuerst bemerkbar. Frühwarnzeichen fehlender Konzentration folgen.

PIRKA Frühwarnzeichen FWZ abnehmender Konzentration

FWZ Nr. 1 – Aufmerksamkeit schweift in aufgabenfremde Inhalte ab.

Das gedankliche Abschweifen ist von äußeren Ablenkungen grundsätzlich zu unterscheiden. Ablenkungen von außen werden durch Ereignisse in unserer Umgebung ausgelöst, die für uns neu sind oder überraschend und unerwartet eintreten. Zum Beispiel betritt ein Kollege, den wir nicht erwartet haben, das Büro und unterbricht unseren vorherigen Gedanken an die Arbeit. Oder das Telefon klingelt und unterbricht den letzten Gedanken, indem das Klingeln die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Abschweifen ist anders. Wir schweifen dabei innerlich von einem Gedankeninhalt in ein völlig anderes Thema ab. Wir schweifen beim Lesen eines Textes ab in den Gedanken an eine Tasse Kaffee oder daran, das Fenster zu öffnen, weil die Luft so schlecht ist. Oder wir denken plötzlich daran, dass wir noch etwas zu Essen einkaufen müssen.

FWZ Nr. 2 – Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Das wiederholte Abschweifen in andere Themen wird zwar bemerkt, wir kehren aber immer wieder zu unserer Aufgabe zurück. Die Folge ist, dass wir aufgrund fortschreitender geistiger Ermüdung immer öfter abschweifen. Wiederholtes Abschweifen entspricht der Schwierigkeit, beim Thema zu bleiben, d. h. der Schwierigkeit, sich zu konzentrieren.

Organische Erkrankungen mit ähnlichen Frühwarnzeichen sind vom Arzt auszuschließen.
Frühwarnzeichen sind keine Folge der Wirkung von Medikamenten, Alkohol oder Drogen.

Wer rechtzeitig auf FWZ 1 und FWZ 2 reagiert, erspart sich FWZ fehlender Konzentration!

Bitte beachten Sie das erschöpfungsE® zur Wiederherstellung der Konzentrationsfähigkeit.
Nach Eintreten von Frühwarnzeichen sollte eine Pause erfolgen, deren zeitlicher Umfang sich an den einzelnen Frühwarnzeichen FWZ 1 und FWZ 2 orientiert. Wer trotz Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, d. h. ab FWZ 2 weiterarbeitet, muss sich mehr und mehr anstrengen, um fokussiert und damit konzentriert zu bleiben. Diese geistige Anstrengung hat zur Folge

1. dass unser Denken zunehmend verlangsamt. Dies ist am Auftreten von Frühwarnzeichen fehlender Konzentration zu bemerken.
2. dass der Pausenbedarf ab FWZ 2 beständig zunimmt. Aus diesem Grund muss die Zeit (t) ab FWZ 2 mit einem TIMER gemessen und der Pausenbedarf mit 10+(t ÷ 2) individuell berechnet werden.

PIRKA schlägt als Auszeit Pausen in2b®, Umgebung in2b® und Farben in2b® vor.

erschöpfungsE®

*(t) entspricht der Zeit, mit der ab FWZ 2, d.h. trotz Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, weitergearbeitet wird. Die Zeit (t) mit einem TIMER messen und 10+(t ÷ 2) errechnen, da der Pausenbedarf ab FWZ 2 mit der Zeit beständig zunimmt! Beispiel: Wird ab dem Eintritt von FWZ 2 trotz bestehender Konzentrationsprobleme für 100 Minuten weitergearbeitet, errechnet sich die Erholzeit: 10+(t ÷ 2) mit 10+(100 ÷ 2) = 60 Min. Eine solch lange Erholzeit ist im Arbeitsalltag nicht umsetzbar! Zur Vermeidung langer Erholzeiten sollte auf die FWZ 1 und FWZ 2 zeitnah reagiert werden.

Verwenden Sie das erschöpfungsE®-Protokoll 50/10 und 25/5 zur Dokumentation, Bewertung und Unterstützung der Konzentrationsfähigkeit im Alltag.

Frühwarnzeichen abnehmender Konzentration zu bemerken, hilft, rechtzeitig auf abnehmende Leistungsfähigkeit zu reagieren.

Beispiel 1 – Aufmerksamkeit schweift in aufgabenfremde Inhalte ab

Er fühlte sich fit und legte gleich mit der Arbeit los. Therapiepläne zu entwerfen war zwar zäh, aber notwendig. Er war so in die Arbeit vertieft, dass er darüber die Zeit vergaß. Plötzlich bemerkte er, dass ein Gedanke an eine Tasse Kaffee den vorherigen Gedanken an die Arbeit unterbrach. Seine Aufmerksamkeit war vom bearbeiteten Thema in einen aufgabenfremden Inhalt (Kaffee trinken) abgeschweift. Das Abschweifen ist ein Ermüdungsmerkmal und sollte ernst genommen werden. Eine kurze Pause führt zur Wiederherstellung der Konzentrationsfähigkeit und Steigerung der Leistungsfähigkeit für den nächsten Arbeitsabschnitt.

Beispiel 2 – Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren

Sie hatte das Abschweifen ihrer Gedanken längst bemerkt. Zuerst der Gedanke an den Kaffee, der nun wirklich nichts mehr mit dem Inhalt der Steuererklärung zu tun hatte und dann noch der Gedanke daran, wer von der Familie Onkel Friedberg um 16 Uhr vom Bahnhof abholen könnte. Aber sie wollte fertig werden und rief sich zur Ordnung: „Reiß dich zusammen! Ich muss das erledigen!“ Sie arbeitete ohne Pause weiter und bemerkte dabei, dass die Aufmerksamkeit immer öfter in andere, aufgabenfremde Inhalte wie Wäsche bügeln oder Elternabend abschweifte. Sie konnte sich nicht mehr auf die Steuererklärung konzentrieren.

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

Literatur

Abels, D. (1974). Konzentrations-Verlaufs-Test K-V-T. 2., verbesserte Auflage. Göttingen: Hogrefe.

Clos, R. (2004). Ein Leitfaden zur Diagnose und Behandlung der ME/CFS für den Arzt in der Praxis. Hrsg.: South Australian Department of Human Services, PO Box 287 Rundle Mall 5000, South Australia, Australia.

Demerouti, E., Fergen, A., Glaser, J., Herbig, B., Hofmann, A., Nachreiner, F., Packebusch, L. & Seiler, K. (2012). Psychische Belastung und Beanspruchung am Arbeitsplatz. Inklusive DIN EN 10075-1 bis -3. Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normierung e.V. Berlin: Beuth.

Dilling, H., Mombour W. & Schmidt M.H. (2011). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. Göttingen: Huber.

Franke, G.H. (2002). Symptom-Checkliste SCL-90-R von L.R. Derogatis. Göttingen: Beltz.

Gaab, J. & Ehlert, U. (2005). Chronische Erschöpfung und Chronisches Erschöpfungssyndrom. Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe.

Kallus, K. W. (2011). EBF Erholungs-Belastungs-Fragebogen. Frankfurt: Pearson.

Luczak, H. (1989). Wesen menschlicher Leistung. Köln: Bachem.

Schmidtke, H. (1965). Die Ermüdung. Bern: Huber.