Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

Notieren Sie auf einem Blatt Papier,

  • worin das Problem besteht und welches Ziel erreicht werden soll,
  • mindestens 3-4 Lösungsideen aufschreiben. Es dürfen auch überraschende oder ungewohnte Ideen sein. Was würde ein Manager oder die Großmutter vorschlagen,
  • jede einzelne Lösungsidee auf ihre Vor- und Nachteile überprüfen,
  • sich für die beste Lösung entscheiden,
  • den Lösungsweg in einzelne Schritte einteilen und im Alltag umsetzen,
  • überprüfen, welche Schritte erfolgreich waren und ob das Ziel erreicht wurde.

Wenn beim ersten Versuch keine befriedigende Problemlösung gelingt, überlegen, welcher der vorhergehenden Problemlösungsschritte noch einmal bearbeitet werden sollte.

Probleme Schritt für Schritt zu lösen, bietet ein allgemeines Vorgehen, Schwierigkeiten ohne fremde Hilfe zu bewältigen.

Beispiel 1 – Mit Kollegen gemeinsam in der Kantine essen

Herr A. hatte es sich zur Gewohnheit werden lassen, allein in seinem Büro zu essen. Nun dachte er daran, wie angenehm es sein könnte, mit den Kollegen gemeinsam zu essen und interessante Gespräche zu führen. Aber wie sollte er den Kontakt aufnehmen? Da ihm nicht gleich die Lösung einfiel, entschied er sich, das Problem Schritt für Schritt zu anzugehen.

Praktische Anwendung

  • Er nahm sich ein Blatt Papier zur Hand und notierte,
    • worin das Problem besteht und welches Ziel erreicht werden soll?

    Problem: Ich esse zu oft allein und es wird mir langweilig. Die Kollegen gehen seit Langem gemeinsam essen. Ziel: Mich einer Gruppe anzuschließen.

    • Mindestens 3-4 Lösungsideen aufschreiben. Es dürfen auch überraschende oder ungewohnte Ideen sein. Was würde ein Manager oder die Großmutter vorschlagen?

    Nun erst mal alles aufschreiben, was so einfällt:

    1. Er könnte den Kollegen im Nachbarbüro einfach ansprechen, ob er sich ihm und seiner Gruppe anschließen kann.
    2. Er könnte einen Zettel an seine Bürotür heften mit der Aufschrift: Habe Hunger, nehmt mich mit!
    3. Er könnte sich einfach zu den Kollegen an den Tisch setzen.
    4. Seine Großmutter war immer dafür gewesen, einfach mal was Neues zu probieren. Er könnte schauen, wer ebenfalls allein in der Kantine sitzt und fragen, ob er sich dazu setzen kann.

     

    • Jede einzelne Lösungsidee auf ihre Vor- und Nachteile überprüfen.

    Zu 1. Kollege – Vorteil: Mit dem Kollegen im Büro nebenan hatte er schon ein paarmal gesprochen. Er schien nett zu sein und ging regelmäßig in die Kantine. Nachteil: Herr A. mochte zwei Typen nicht, die den Kollegen begleiten.

    Zu 2. Zettel – Vorteil: Viele Leute gehen am Büro vorbei und können seinen Hilferuf lesen. Nachteil: Er müsste mit jedem mitgehen, der seinen Hilferuf ernst nimmt.

    Zu 3. Dazusetzen – Vorteil: Er würde gleich bei den Kollegen mit am Tisch sitzen. Nachteil: Manchmal kennen sich Kollegen auch persönlich und Herr A. würde beim Besprechen von privaten Themen vielleicht stören.

    Zu 4. Großmutter – Vorteil: Es gibt immer wieder Kollegen, die allein am Tisch sitzen, weil sie auch keinen Gesprächspartner haben. Nachteil: Keiner, der ihm spontan einfiel. Er könnte einfach fragen, ob er sich dazusetzen darf.

    • Sich für die beste Lösung entscheiden.

    Lösung Nr. 4 erschien Herrn A. am einfachsten umsetzbar. Schließlich konnte er aussuchen, zu wem er sich setzen wollte.

    • Den Lösungsweg in einzelne Schritte einteilen und im Alltag umsetzen.

    Schritt 1: Herr A. würde gleich am nächsten Tag in die Kantine gehen. Schritt 2: In der Kantine angekommen würde er sich zunächst einen Überblick verschaffen, wer allein am Tisch sitzt. Schritt 3: Er würde eine Person auswählen und sie freundlich begrüßen: „Hallo ist der Platz neben Ihnen noch frei?“ Mithilfe der Methode Sprechen in2b® würde es Herrn A. zudem leichtfallen, ein Gespräch zu beginnen.

    • Überprüfen, welche Schritte erfolgreich waren und ob das Ziel erreicht wurde.

    Es hatte gleich funktioniert und es hat sich sogar ein interessantes Gespräch ergeben.

Beispiel 2 – Wieder einmal Stress mit den Falschparkern

Frau B. kam am Abend gut gelaunt vom Shopping zurück und wollte ihr Auto auf dem angemieteten Parkplatz abstellen. Beim Einbiegen in ihre Straße waren ihr ungewöhnlich viel parkende Fahrzeuge aufgefallen. Beim Nachbarn war eine Gartenparty in vollem Gange. Ihre gute Laune änderte sich in Ärger, als sie ein fremdes Fahrzeug auf ihrem Parkplatz vorfand. Der Ärger ließ keinen klaren Gedanken zu. Also begann sie, das Problem Schritt für Schritt zu lösen.

Praktische Anwendung

Sie hatte im Auto zwar kein Blatt Papier zur Hand, erinnerte sich aber an die einzelnen Schritte, wie ein Problem zu lösen ist, d. h.

  • worin das Problem besteht und welches Ziel erreicht werden soll?

Problem: Mein Parkplatz ist belegt. Ziel: Das fremde Fahrzeug entfernen.

  • Mindestens 3-4 Lösungsideen aufschreiben. Es dürfen auch überraschende oder ungewohnte Ideen sein. Was würde ein Manager oder die Großmutter vorschlagen?

Die Stimmung von Frau B. war in voller Fahrt. Beim Überraschenden und Ungewohnten musste sie nicht lange nachdenken.

  1. Der Klassiker. Das fremde Fahrzeug zuparken und abwarten, was passiert.
  2. Mit dem Lippenstift auf die Windschutzscheibe schreiben: Parken verboten!
  3. Sich unter die Gäste zu mischen und wie im Supermarkt eine Durchsage zu machen: „Der Halter des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen XYZ möchte bitte zu seinem Fahrzeug kommen“.
  4. Ein erfahrener Manager würde das Problem wohl weniger emotional angehen. Er würde beim Nachbarn klingeln und auf das Problem hinweisen.
  • Jede einzelne Lösungsidee auf ihre Vor- und Nachteile überprüfen.

Zu 1. Zuparken – Vorteil: Sie hätte erst einmal Ruhe und die Lösung würde zu ihrem Ärger passen. Soll sich die andere Person doch auch mal ärgern. Nachteil: Man könnte sie in der Früh aus dem Schlaf klingeln, um das eigene Fahrzeug wegzufahren.

Zu 2. Lippenstift – Vorteil: Der Fahrer hätte sein Fehlverhalten direkt in Schriftform vor Augen. Es wäre aufwendig, den Lippenstift zu entfernen und würde Zeit zum Denken ermöglichen. Nachteil: Vielleicht gehört das Fahrzeug ja einer Frau, die ebenfalls einen Lippenstift hat.

Zu 3. Durchsage – Vorteil: Sie hätte die volle Aufmerksamkeit der Gäste. Nachteil: Wirkt vielleicht etwas übertrieben.

Zu 4. Manager – Vorteil: Die Ruhe bewahren. Mit der Technik Sprechen in2b® nur das anzusprechen, was beobachtbar und benennbar ist, schützt Frau B. davor, zu emotional aufzutreten. Außerdem war sie im Recht. Mit PIRKA® Forderung stellen konnte sie ihrer berechtigten Forderung Nachdruck verleihen. Nachteil: Sie würde dabei wohl immer noch aufgeregt sein. Einfach mal tief einatmen und ruhig ausatmen. Dann klingeln.

  • Sich für die beste Lösung entscheiden.

Lösung Nr. 4 erschien realistisch und vielversprechend zu sein.

  • Den Lösungsweg in einzelne Schritte einteilen und im Alltag umsetzen.

Sie übersprang diesen Punkt und marschierte zielstrebig zur Tür des Nachbarn. Dieser zeigte sich verständig und das Problem wurde gelöst.

  • Überprüfen, welche Schritte erfolgreich waren und ob das Ziel erreicht wurde.

Rückblickend war sie froh, sich die Zeit genommen zu haben, Schritt für Schritt das Problem zu lösen. So konnte sie etwas zur Ruhe kommen und verschiedenen Lösungen überdenken.

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

Literatur

Bittner, A. & Helbig-Lang, S. (2020). Stressbewältigungs- und Problemlösetrainings. In Hoyer, J. & Knappe, S. (Hrsg.). Klinische Psychologie und Psychotherapie. Berlin: Springer.

Grawe, K., Donati, R. & Bernauer, F. (2001). Psychotherapie im Wandel. Göttingen: Hogrefe.

Kaiser, A. & Hahlweg, K. (2000). Kommunikations- und Problemlösetraining. In Margraf, J. (Hrsg.). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Band 1. Heidelberg: Springer.

Kruse, J. (2020). Problemlösen. In Wirtz, M. A. (Hrsg.). Dorsch. Lexikon der Psychologie. Göttingen: Hogrefe.

Liebeck, H. (2011). Problemlösetraining. In Linden, M. & Hautzinger, M. (Hrsg.). Verhaltenstherapiemanual. Heidelberg: Springer.