Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

Im Alltag und Beruf können folgende Beschwerden auf bestehenden Hunger hinweisen:

  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.
  • Schwierigkeiten, sich zu entscheiden.
  • Gereizte, ängstliche oder schlechte Stimmung.
  • Wiederholtes Denken an Essen.
  • Auffälliger Verzehr von Kaugummi, Nikotin, Kaffee oder Tee.
  • Schlafstörungen mit Früherwachen.
  • Schwindel und Kopfschmerzen.
  • Leichtes Frieren, Ohrgeräusche oder Augenflimmern.
  • Unmäßiger Hunger am Abend.

Organische Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden sind vom Arzt auszuschließen. Die Beschwerden sind keine Folge der Wirkung von Medikamenten, Alkohol oder Drogen.

Regelmäßige Mahlzeiten können zum Nachlassen der Beschwerdelage beitragen.

 

Konzentrationsprobleme und körperliche Beschwerden können Folge eines nicht beachteten Hungers sein und durch ausreichendes Essen wieder nachlassen.

Beispiel 1 – Arbeitstag

Er hatte es sich schon lange abgewöhnt, morgens zu frühstücken und gleich um 8 Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Um 10 Uhr nahm er dann gerne etwas Obst zu sich, auch mal ein Brot. Mittags kam er selten zum Essen, da wichtige Sitzungen die Mittagspause stark verkürzten. Auf die Schnelle etwas Kleines wie Salate zu essen war schon zur Gewohnheit geworden. Nachmittags bemerkte er zumeist ein Leistungstief. Seine Kollegen fanden, dass er oftmals sehr gereizt auftrat. Sein Kaffeekonsum war auffällig hoch, einen Kaugummi hatte er fast immer im Mund. Natürlich dachte er immer wieder an Essen, aber die Zeit war das Problem. Am Abend freute sich seine Frau darüber, dass es ihm schmeckte. Aber mit dem einen Teller war es oftmals nicht getan, gerne waren es zwei. Am späten Abend ging er noch an den Kühlschrank. Erst jetzt wurde ihm klar, dass er es mit Heißhungerattacken zu tun hatte. Sein grundsätzliches Problem bestand darin, über den Tag, d. h. in der Zeit, wo aufgrund geistiger und körperlicher Anstrengung Energie benötigt wurde, zu wenig Energie aufzunehmen mit der Folge von bemerkbaren Einbußen bei der geistigen Leistungsfähigkeit.

Praktische Anwendung

Ihm fiel der Satz ein, morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann zu essen. Aber er frühstückte doch seit Jahren schon nicht mehr. Zu seinem Argument, morgens nichts essen zu können, beantwortete er sich die folgende Frage: Er fragte sich, wie er im Urlaub oder Hotel frühstückt, wenn genügend Zeit vorhanden und der Tisch reich gedeckt war. Er entschied sich, zur Verbesserung der persönlichen Leistungsfähigkeit über den Tag morgens zu frühstücken und mittags ausreichend zu essen. Das Frühstück war anfänglich eine echte Überwindung. Später nahm er Brote mit, die er am Vormittag aufgegessen hatte. Nach einiger Zeit war eine verbesserte Konzentration am Tag und ein nachlassendes Hungergefühl am Abend zu bemerken. Auch war am Mittag wieder ein Hungergefühl spürbar. Die Reizbarkeit und die Menge an Kaffee nahmen ab. Ein weiteres Ziel, ausreichend zu trinken, erreichte er dadurch, dass er bereits auf der Hinfahrt zur Arbeit eine 0.5 Liter Flasche austrank. Dann noch mal 0.5 Liter am Mittag und 0,5 Liter auf der Heimfahrt. Er gewöhnte es sich zudem an, weder im Stehen, Gehen noch am Arbeitsplatz essen.

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

Literatur

Böse, R.; Beisel, S. & Geisser, E. (2005). Konfrontationsverfahren in der stationären Therapie bei Anorexia und Bulimia nervosa. In Neudeck, P. & Wittchen, H-U. (Hrsg.). Konfrontationstherapie bei psychischen Störungen. Göttingen: Hogrefe.

Jacobi, C.; Paul, T. & Thiel, A. (2004). Essstörungen. Göttingen: Hogrefe.

Löhr, G. & Preiser, S. (1974). Regression und Rekreation – Ein Beitrag zum Problem Stress und Erholung. Zeitschrift für experimentelle und angewandte Psychologie. Band XXI, 4, 575-591.

Pudel, V. & Westenhöfer, J. (2003). Ernährungspsychologie. Göttingen: Hogrefe.