Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

  • die Umgebung beobachten,
  • eine Farbe benennen, die sie sehen,
  • beim Benennen immer nur ein (!) Wort verwenden,
  • das Wort in Gedanken still zu sich sagen,
  • nach jedem Wort eine kurze Pause machen,
  • in der Ihr Blick zu einer anderen Farbe wandert und
  • die Übung fortsetzen, bis der Geist zur Ruhe gekommen ist.

Die Übung Farben in2b kann auch unabhängig von einer bestehenden Unruhe durchgeführt werden und geistige Ruhe über den Tag fördern.
Es braucht ein wenig Zeit, bis die Gedanken, mit denen Sie vorher beschäftigt waren, zur Ruhe kommen und sich die Unruhe legt.
Wichtiger Hinweis: Beim Beobachten und Benennen von Farben in2b handelt es sich lediglich um eine räumliche Orientierung. Unruhe braucht Zeit, sich zu legen. Ein wenig Geduld ist daher notwendig und hilfreich. Sollte die Unruhe dennoch weiter anhalten, kann die Übung jederzeit beendet werden.
Üben Sie Farben in2b beobachten und benennen so lange und so oft, wie es ihnen guttut und eine geistige Ruhe spürbar wird.
Zweimal 2 Minuten pro Tag zu üben, kann ausreichen. Dazu bedarf es aber ein wenig Übung.

Vorteile von denkenin2b®:

  • denkenin2b ist leicht erlernbar,
  • die Übung kann für Dritte unbemerkt durchgeführt werden,
  • in2b beobachten und benennen ist an jedem Ort und zu jeder Zeit anwendbar.
  • Wichtiger Hinweis: Beobachten und Benennen in2b nicht beim Führen eines Fahrzeugs anwenden!

Farben in2b beobachten und benennen kann helfen, leichte und mittlere innere Unruhe zu reduzieren.

Beispiel 1 – Ungerechtigkeit

Er betrat das Geschäft und bemerkte, dass er der einzige Kunde war. Die Verkäuferin hatte sein Kommen bemerkt, ging aber weiter ihrer Aufgabe nach. Grade, als er sich an die Verkäuferin wenden wollte, betrat ein weiterer Kunde das Geschäft. Die Verkäuferin ging auf diesen zu, begrüßte ihn und fragte, ob sie ihm behilflich sein könne. Er empfand dieses als ungerecht und spürte einen Ärger in sich aufkommen. Er fragte sich, warum die Reihenfolge nicht eingehalten werden konnte. Um sich nicht weiter aufzuregen und die Zeit zu überbrücken, begann er damit, die verschiedenen Farben im Geschäft zu beobachten und zu benennen.
Worte für Farben fallen einem am schnellsten ein. Beim Benennen von Farben muss man aber aufpassen, dass man nicht hektisch wird und zu schnell benennt, denn Farben sind überall anzutreffen. Daher ist es ratsam, langsam von einer Farbe zur nächsten zu gehen, ohne Hast.
Zuerst fiel sein Blick auf die Wand. Sie war in einem hellen Grün gestrichen. In Gedanken sagte er das Wort: „Grün“. Er schaute sich weiter im Raum um. Sein Blick fiel auf einen weißen Tisch. In Gedanken sagte er das Wort: „Weiß“. Sein Blick wanderte ruhig im Raum umher. Er sah ein Regal aus braunem Holz. In Gedanken sagte er das Wort: „Braun“. Dann sah er auf den grauen Teppichboden. In Gedanken sagte er das Wort: „Grau“. Dort lag ein weißer Kassenbon. In Gedanken sagte er das Wort: „Weiß“. Danach fiel ihm ein Bild mit einer gelben Blume auf. In Gedanken sagte er das Wort: „Gelb“.

Praktische Anwendung

Beim Beobachten benannte er die Farbe und sagte in Gedanken das jeweilige Wort: Grün … kurze Pause … weiß … kurze Pause … braun … kurze Pause … grau … kurze Pause … weiß … kurze Pause … gelb … Er führte die Übung so lange fort, bis geistige Ruhe spürbar war.

Beispiel 2 – Beleidigungen

Als Vorgesetzter war ihm klar, dass er nicht von jedem Mitarbeiter gemocht werden konnte. Als er auf dem Werksgelände einer Gruppe von Angestellten begegnete, grüßte er freundlich. Niemand erwiderte seinen Gruß. Stattdessen schauten ihn einige mit finsterer Miene an. Als er um die Ecke bog, hörte er, wie einer der Angestellten sagte: „Den kann man doch nicht ernst nehmen!“ Dabei hatte er sich erst kürzlich bei der Geschäftsführung für Gehaltserhöhungen eingesetzt. Ärger stieg in ihm auf und wurde langsam intensiver. Zur Beruhigung begann er damit, Farben in2b auf seinem weiteren Weg übers Werksgelände zu beobachten und zu benennen.
Sein Blick wanderte über das Werksgelände. In 10 Metern Entfernung stand ein grüner Gabelstapler. In Gedanken sagte er das Wort: „Grün“. Ein weiterer Angestellter kreuzte seinen Weg und sagte kurz Hallo. Er war in Eile und trug eine rote Mappe mit sich. In Gedanken sagte er das Wort: „Rot“. Sein Blick fiel auf einen Baum mit weißen Blüten. In Gedanken sagte er das Wort: „Weiß“. Der Baum stand auf einem Parkplatz mit grauem Asphalt. In Gedanken sagte er das Wort: „Grau“. Das Gebäude zur Linken war schwarz angestrichen. In Gedanken sagte er das Wort: „Schwarz“. Er ging auf den Eingang des Hauptgebäudes zu. Die Eingangstüre war rot lackiert. In Gedanken sagte er das Wort: „Rot“. Vor dem Eingang parkte ein gelbes Fahrzeug. In Gedanken sagte er das Wort: „Gelb“.

Praktische Anwendung

Beim Beobachten benannte er die Farbe und sagte in Gedanken das jeweilige Wort: Grün … kurze Pause … rot … kurze Pause … weiß … kurze Pause … grau … kurze Pause … schwarz … kurze Pause … rot … kurze Pause … gelb … Er führte die Übung so lange fort, bis eine geistige Ruhe spürbar war.

Beispiel 3 – Ärger

Der Englischunterricht hatte begonnen und der Lehrer legte die Klassenarbeiten vor sich auf das Pult. Sie brauchte unbedingt eine gute Note, um im Abschlusszeugnis die Gesamtnote von zwei halten zu können. Nachdem die Hefte ausgeteilt worden waren, schlug sie hastig die letzte Seite auf und erschrak. „Ausreichend“! Das konnte doch nicht wahr sein. Der Lehrer musste sich vertan haben. Sie hatte doch viel für diese Arbeit gelernt. Eine spätere Diskussion mit dem Lehrer brachte nichts. Er hörte sich ihre Argumente zwar geduldig an, verwies aber auf das Fehlen von wichtigen Inhalten und blieb bei der Note. Um Ruhe zu finden, begann sie damit, Farben auf dem Schulhof in2b zu beobachten und zu benennen.
Zuerst fiel ihr Blick auf die Mütze einer Mitschülerin. Die Farbe war rosa. In Gedanken sagte sie das Wort: „Rosa“. Sie schaute sich weiter auf dem Schulhof um. Ihr Blick fiel auf einen Schüler mit einer blauen Winterjacke. In Gedanken sagte sie das Wort: „Blau“. Ihr Blick wanderte ruhig umher. In der Raucherecke stand ein hoher grauer Aschenbecher. In Gedanken sagte sie das Wort: „Grau“. Auf dem Boden vor ihr lag eine weiße Maske. In Gedanken sagte sie das Wort: „Weiß“. Daneben lag ein verloren gegangener gelber Handschuh. In Gedanken sagte sie das Wort: „Gelb“. Sie blickte auf und sah eine Lehrerin, die die Pause beaufsichtigte. Sie trug einen langen braunen Mantel. In Gedanken sagte sie das Wort: „Braun“.

Praktische Anwendung

Beim Beobachten benannte sie die Farbe und sagte in Gedanken das jeweilige Wort: Rosa … kurze Pause … blau … kurze Pause … grau … kurze Pause … weiß … kurze Pause … gelb … kurze Pause … braun …Sie führte die Übung so lange fort, bis eine geistige Ruhe spürbar war.

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

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