Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

  • überlegen, von welcher Eigenschaft Sie glauben, im Vergleich mit einer anderen Person weniger zu haben,
  • wie belastend fühlt sich das für Sie auf einer Skala von 1 bis 10 an? (1 kaum belastend bis 10 sehr belastend),
  • jetzt an eine Person denken, die im Vergleich mit Ihnen viel weniger oder gar nichts von der Eigenschaft besitzt, die Sie haben,
  • überlegen, wie viel mehr als „gar nichts“ Sie von der Eigenschaft bereits besitzen,
  • überlegen, wie belastend es sich nach dem Vergleich für sie von 1 bis 10 anfühlt.

Sich mit anderen Menschen zu vergleichen, die weniger haben als wir, kann unsere Zufriedenheit fördern.

Beispiel 1 – Vergleich mit der Klassenbesten in der Schule

Sie kritisierte sich dafür, dass es zwei Schüler gab, die einen noch besseren Notendurchschnitt hatten als sie. Beide Schüler hatten im Abschlusszeugnis die Note 1,0 erreicht, sie die Note 1,3. Sie fühlte sich wie eine Versagerin und ärgerte sich seit Tagen über sich selbst.

Praktische Anwendung

Sie dachte ständig daran, weniger klug zu sein als andere Schüler. Das war für sie sehr belastend. Auf einer Skala von 1 bis 10 würde sie definitiv die 10 wählen. Die 10 bildete ihre ganze Enttäuschung und Trauer sehr genau ab. Nun dachte sie an ihre beste Freundin Petra, die einen Notendurchschnitt von 2,9 erreicht hat, obwohl sie viel gelernt hatte. Peter hatte sogar einen Notenschnitt von 3,9. Und drei ihrer Klassenkameraden hatten aufgrund mangelhafter Noten noch nicht einmal den Abschluss geschafft. Wie es denen wohl gehen würde? Natürlich sind Fleiß und Glück auch etwas, das bei Noten eine Rolle spielt. Wenn sie noch mal überlegte, wie viel mehr sie doch erreicht hatte als andere ihrer Klassenkameraden, fühlte es sich nicht mehr so belastend an. Die 10 war als Einschätzung bei nochmaligem Überlegen viel zu hoch. Nach dem Vergleich würde sie eine 2 wählen, denn sie war klug und hatte mit der Note 1,3 sehr viel mehr erreicht als viele ihrer Mitschüler.

Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht nur mit den Besten vergleichen. Sich mit anderen Menschen zu vergleichen, die weniger haben als wir, kann unsere Zufriedenheit fördern.

Beispiel 2 – Sich an reicheren Personen zu orientieren

Er hatte als Unternehmer bereits eine stattliche Summe gespart, aber es gab im Bekanntenkreis noch reichere Menschen als ihn und sogar Millionäre, mit denen er sich verglich. Das war für ihn sehr frustrierend. Er stellte sich immer wieder vor, wie er sich wohl als Millionär fühlen würde.

Praktische Anwendung

Er glaubte definitiv zu wenig Geld im Vergleich mit anderen Menschen zu besitzen. Das belastete ihn sehr. Auf einer Skala von 1-10 würde er die gefühlte Belastung mit einer 9 bewerten. Dann dachte er an einen Freund, der als Angestellter nur wenig Geld verdiente und eine vierköpfige Familie ernähren musste. Und der Bettler, der immer wieder auf demselben Parkplatz saß und es den Leuten überließ, ob und wie viel Geld sie ihm schenken würden. Da hatte er doch sehr viel mehr als der Bettler: ein ansehnliches Haus, Geld für Urlaube und zwei Autos. Er konnte sich neue Kleidung kaufen, auch wenn er sie nicht brauchte und Restaurants besuchen. Der Bettler hatte immer wieder dieselben verdreckten Hosen und Pullover an und konnte sich nur wenige einfache Mahlzeiten leisten. So betrachtet hatte er sehr viel mehr Geld als viele andere Menschen. Der Vergleich machte ihn nachdenklich. Die Belastung war einem Mitgefühl gewichen. Auf der Skala von 1-10 gab er sich die 1. Er hatte alles, was er brauchte.

Auch andere Themen lassen sich mithilfe dieser Methode bearbeiten. Denken Sie zum Beispiel an die Eigenschaft Aussehen: Das Bestreben, sich mit Models zu vergleichen und am eigenen Aussehen zu verzweifeln. Oder an den Beruf: ein Gefühl von Versagen darüber, in der Karriereleiter noch nicht weiter aufgestiegen zu sein. Oder denken Sie an Sport: Der Vergleich mit besonders talentierten Menschen oder Meistern auf dem Gebiet, die von klein auf über entsprechende körperliche Voraussetzungen verfügen.

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

Literatur

Filipp, S.H., Klauer, T. & Ferring, D. (1993). Self-Focused Attention in the Face of Adversity and Threat. In H.W. Krohne (Editor) (1993). Attention and Avoidance. Seattle: Hogrefe.

Leahy, R. L. (2007). Techniken kognitiver Therapie. Paderborn: Junfermann Verlag