Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

Beim Erledigen von Aufgaben oder im Umgang mit Menschen

  • die beiden Extreme richtig oder falsch durch die Abstufungen
  • sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft und ungenügend zu ersetzen.

Die beiden Extreme von richtig oder falsch durch Abstufungen zu ersetzen, hilft, innere Anspannung zu reduzieren.

Beispiel 1 – Perfekte Welten

Wer an Perfektion denkt, dem stehen nur die zwei Möglichkeiten richtig oder falsch zur Verfügung. Abstufungen und Grautöne werden nicht verwendet.

Praktische Anwendung

  • Abstufungen wie sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft und ungenügend verwenden.

Der perfekte Fahrstuhl

Kennen Sie einen Fahrstuhl, der sie immer gleich in die gewünschte Etage bringt? Das wäre perfekt! Oder mussten Sie schon einmal die umgekehrte Richtung fahren? Konnten sie damit leben? Für wen immer alles perfekt sein muss, könnte folgendermaßen denken: Hatte der Fahrstuhl einen Defekt? Sollte man ihn nicht besser stilllegen und die Treppe benutzen? Oder aber: Ist es dagegen nicht ausreichend, ein paar Sekunden später die gewünschte Etage zu erreichen?

Das perfekte Restaurant

Kennen Sie ein Restaurant, in dem entweder nur perfektes oder schlechtes Essen serviert wird? Mal schmeckt es gut, mal sehr gut. Vielleicht sind Sie auch mal nicht zufrieden. Würden Sie das Lokal dann ein weiteres Mal besuchen? Erwarten Sie immer perfektes Essen serviert zu bekommen? Ab wann verdient ein Essen die Bewertung ungenügend? Wenn das Essen nur leicht versalzen ist oder erst dann, wenn die Zutaten verdorben sind?

Die perfekte Diskothek

Kennen Sie eine Diskothek, in der entweder nur klasse Lieder oder schlechte Lieder gespielt werden? Ist die Mischung der Lieder in der Regel nicht gut bis befriedigend, an manchen Tagen auch ausreichend? Ist der Discjockey deshalb schlecht? Sollte man ihn entlassen? Werden Sie die Diskothek noch mal besuchen, auch wenn Sie wissen, dass ihr Lieblingslied vielleicht nicht gespielt wird? Und wenn ein Geburtstagslied gespielt wird, sollte man dem Betreiber dann die Konzession entziehen oder wäre der Abend für Sie dennoch befriedigend?

Die perfekte Beziehung

Kennen Sie eine Beziehung, in der sich das Paar entweder immer nur liebt oder immer nur hasst? Gibt es nicht auch Tage, an denen man sich mal besser versteht und mal schlechter? Reicht das für eine gute Beziehung aus oder ist es nicht besser, sich nach einem Streit sofort zu trennen? Gibt es für uns nach dem Aufwachen am Morgen eine Möglichkeit, perfekt auszusehen? Und wenn nicht, haben wir dann versagt? Sind ein verschlafener Gesichtsausdruck oder ungekämmte Haare mangelhaft bis ungenügend und ein Trennungsgrund?

Der perfekte Tänzer

versagt und sollten die Tanzfläche verlassen? Sollten Sie das Tanzen besser gleich ganz aufgeben? Sind Sie beim Tanzen immer in der gleichen Form oder lief es mal besser und mal schlechter? Kann es auch ausreichen, anderen beim Tanzen zuzuschauen? Muss der persönliche Tanzstil immer perfekt aussehen? Kann man auch mit Skischuhen an den Füssen noch gut tanzen?

Die perfekte Leistung

Müssen Sie immer eine perfekte Leistung erbringen und immer voll konzentriert sein? Und wenn Sie unausgeschlafen sind, werden Sie dann am Arbeitsplatz versagen oder mit der Aufgabe scheitern? Macht es Sinn, eine Tätigkeit zu beginnen, auch wenn Sie nicht garantieren können, immer perfekte Leistungen zu erbringen? Und wenn der Chef ihre Arbeit gut findet oder ihre Verlässlichkeit lobt. Gehen Sie dann zum Chef und bitten um ihre Kündigung, weil er Sie nur als verlässlich und nicht als sehr verlässlich beurteilt hat?

Probieren Sie es aus!

PIRKA wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung.

Literatur

Beck, T. & Freeman, A. (1993). Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen. Weinheim: Beltz.

De Jong-Meyer, R. (2000). Kognitive Verfahren nach Beck und Ellis. In Margraf, J. (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1. (S. 509-524). Berlin: Springer.

Fiedler, P. (2007). Persönlichkeitsstörungen. Weinheim: Beltz.

Hautzinger, M. (2011). Kognitives Neubenennen und Umstrukturieren. In Linden, M. & Hautzinger, M. (Hrsg.), Verhaltenstherapiemanual (S. 203-207). Berlin: Springer.

Mühlig, S. & Poldrack, A. (2011). Kognitive Therapieverfahren. In Wittchen, H.-U. & Hoyer, J. (Hrsg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie. (S. 543-564). Heidelberg: Springer.

Ülsmann, D. & Ertle, A. (2017). Kognitive Umstrukturierung und Verhaltensexperimente. In Brakemeier, E.-L. & Jacobi, F. (Hrsg.), Verhaltenstherapie in der Praxis (S. 273-292). Weinheim: Beltz.